Nackt-Yoga mit Elke Lechner

Im deutschsprachigen Raum ist Elke Lechner eine Art Vorreiterin in Sachen Nackt-Yoga und sie hat sogar einen eigenen Videokurs dazu. Ich habe sie vor's Mikro gebeten und ihr persönliche Fragen gestellt. Hier findest Du das komplette Interview.

Frage #1: Liebe Elke, stell Dich bitte mal kurz vor. Wer bist Du, wo lebst Du und was machst Du in Deiner Freizeit am liebsten?

Elke Lechner NacktYoga

Elke Lechner

Antwort: Mein Name ist Elke Lechner und momentan lebe ich in Dortmund. Ich bin gelernte Krankenschwester, Yoga-Lehrerin und auch Yoga-Therapeutin und ich habe mich ganz speziell auf Vinyasa spezialisiert. Und ich bin natürlich auch Nackt-Yoga Lehrerin.

Auch in meiner Freizeit beschäftige ich mich viel mit Yoga und zwar ganzheitlich. Das bedeutet, Yoga nach den 8 Stufen, so wie es Patanjali gelehrt hat. Es ist natürlich nicht immer einfach, das auch in den Alltag zu integrieren, da man damit manchmal auch an seine Grenzen in Bezug auf seine Mitmenschen stößt.

Ansonsten liebe ich die Bewegung und den Sport. Ich laufe sehr viel, mache viel „Functional Training“, Tanzimprovisation, Tanztheater und eigentlich im Prinzip alles, was mit Bewegung zu tun hat.

Die tägliche Bewegung hilft mir, mich besser zu spüren und so leben zu können, wie das meine Seele eigentlich möchte. Leider durfte meine Seele in meiner Kindheit und meiner Jugend, bedingt durch mein Elternhaus, nicht so sein, wie es für ein Kind eigentlich wichtig wäre.

Jeder Mensch strebt ja danach, sein Potenzial ausleben und sich selbst verwirklichen zu können. Und genau das ist auch das wichtigste Ziel beim Yoga, nämlich die Selbstverwirklichung. Und wenn ein Mensch hierbei blockiert wird, dann wird er krank. Und so bin ich durch meine schwere Kindheit und Jugendzeit in eine Magersucht geschlittert.

Frage #2: Wie bist Du eigentlich zum Nackt-Yoga gekommen? Was ist so besonders für Dich Yoga nackt zu machen? Spielt hier Deine Magersucht eine Rolle?

Antwort: Ja genau. Aufgrund der Familienverhältnisse bei mir zuhause bin ich dann wirklich in die klassische Magersucht geschlittert und das war auch der Grund dafür, warum ich später mit dem Nackt-Yoga begonnen habe.

Ich konnte wirklich von heute auf morgen überhaupt nichts mehr essen. Auch wurde ich in der Schule oft gehänselt und Kränkungen wie „fette Elke“ waren keine Seltenheit. Mit 14, 15 ist man sowieso in einem schwierigen Alter und ich bin halt doch jemand, der sehr feinfühlig ist und auf alles reagiert.

Da habe ich mir einfach gedacht: „Wisst ihr was da draußen, euch werde ich es zeigen!“ Aber genau durch dieses „Euch möchte ich es zeigen!“ bin ich leider in etwas hineingeschlittert, was ich letztendlich bis zum heutigen Zeitpunkt habe ganz bitter büßen müssen.

Ich habe zwar keine Magersucht mehr, aber die Krankheit hinterlässt natürlich seine Spuren. Wenn man 20 Jahre eine Essstörung hat, dann wird der Körper und auch der Geist auf eine gewisse Art und Weise „vergewaltigt“. Meine Verdauung leidet immer noch sehr darunter und es wird wohl immer ein Thema für mich bleiben.

Ich habe ja schon mit 12 Jahren mit Yoga begonnen und als ich magersüchtig wurde, war Yoga das Einzige, was ich überhaupt noch hatte, um meinen Körper noch zu spüren. Durch die Krankheit wollte ich mich weg hungern, um mich nicht mehr spüren zu müssen. Denn wenn Du dich selbst nicht mehr spürst, dann bist Du auch nicht mehr verletzbar. Menschen konnten mich nicht mehr verletzen, weil meine ganzen Gefühle einfach weg waren. Körperlich wollte ich mich aber trotzdem noch spüren, also war ich in einem gewissen Zwiespalt.

Und daher habe ich mir mit 17 oder 18 das erste Mal gedacht: „Probiere doch Yoga mal nackt, da Du ja ohnehin ständig nackt vorm Spiegel stehst“. Und da habe ich gemerkt, dass Nackt-Yoga eine wahnsinnige Entlastung und Befreiung für mich war.

Ich konnte spüren, dass meine Seele ein Tor gefunden hat, wie sie sich nach außen mitteilen kann. Den Hilferuf hat natürlich meine Familie gar nicht wahrgenommen, es ging einfach nicht zu dem Zeitpunkt. Aber das war offenbar das, was meine Seele damit bezwecken wollte.

Frage #3: Gerade beim Nackt-Yoga gibt es ja auch viele, die das einmal probieren wollen, aber noch Hemmschwellen haben. Wie kann man die Hemmschwelle ablegen, sich wildfremden Menschen nackt zu zeigen? Wie ging es Dir beim „ersten Mal“?

Antwort: Aktuell habe ich leider noch keine festen Nackt-Yoga-Kurse. Das wäre ja mal ein Traum oder eine Vision von mir, wirklich mal mit mehreren Leuten in so einer Gruppe, Nackt-Yoga anbieten zu können. Was ich jetzt mache, sind „nur“ Privatstunden.

Das sind natürlich alles Leute, die mit Nacktheit kein Problem haben und das auch wollen. Ich bin der Meinung, dass für Menschen, die grundsätzlich mit dem Nackt-sein ein Problem habe, Nackt-Yoga vermutlich nicht das richtige ist. Wobei man natürlich in der Psychologie sagt, dass man das machen sollte, wovor man am meisten Angst hat.

Alle, die zum ersten Mal zu mir kommen, haben natürlich eine gewisse Hemmschwelle und das ist auch normal. Aber wenn ich dann mit dem klassischen Nackt-Yoga beginne, dann merken sie schnell: „Hoppla, das tut mir ja richtig gut! Ich kann mich so zeigen, wie ich wirklich bin. Ich muss mich nicht verstellen.“ Und genau darum geht es für mich beim Nackt-Yoga: Sich von irgendwelchen Konditionen zu befreien und sich so zeigen zu dürfen, wie man ist. Egal, ob dick, dünn, schön oder hässlich. Jeder Mensch kann es machen, wenn er dazu bereit ist.

Frage #4: Hattest Du in einer privaten Nackt-Yoga-Stunde auch schon unangenehme Situationen? Du bist ja mit wildfremden Menschen nackt in einem Raum und da kann ich mir gut vorstellen, dass sich gerade bei Männern auch gewisse Hintergedanken entwickeln?

Antwort: Ja natürlich und ich muss sagen, da komme ich auch an meine Grenzen. Aber ich habe kein Problem damit, wenn jetzt zum Beispiel jemand eine Erektion hat. Das ist ja eine anatomische Sache, die derjenige nicht unbedingt bewusst steuern kann.

Ich habe schon viele Hundert private Nackt-Yoga Stunden gegeben und das ist, glaube ich, wirklich erst einmal passiert. Aber es passiert deshalb so selten, weil ich die Leute von Anfang an in einen ganz entspannten Zustand bringe. Und wenn der Körper entspannt ist, dann ist auch der Geist entspannt und ich kann die Teilnehmer auf das Yoga fokussieren und auch nichts anderes. So startet bei Männern das Kopfkino erst gar nicht und es kommt auch zu keiner Erektion.

Aber ich habe auch schon wirklich schlechte Erfahrungen gemacht und bei Menschen mit der falschen Erwartungshaltung komme ich schnell an meine Grenzen. Als Beispiel kam mal ein Mann zu mir, setzte sich splitternackt hin und sagte: „So und jetzt mach mich mal wieder gesund! Mach Du mal meine Wirbelsäule gerade und bring meine Hüfte in Ordnung!“

Das geht natürlich überhaupt nicht! Zum einen bin ich kein Arzt und niemand kann mir befehlen, was ich zu tun habe! Man kann ja auch nicht zum Arzt gehen und sagen: „Ich habe jetzt 30 Jahre lang scheiße gelebt und jetzt gib mir mal eine Pille, die mich wieder gesund macht!“

Yoga ist eine gute Möglichkeit, seinen Körper und Geist wieder in Balance zu bringen und sich selbst zu heilen, sofern man es zulässt, dafür offen ist und daran arbeitet.

Frage #5: Wer kommt vorzugsweise zu Dir in die Nackt-Yoga Stunde? Männer, Frauen oder beide gleichermaßen, welchen Alters oder gibt es da keine Tendenz?

Antwort: Bisher habe ich nur Männer gehabt und warum das so ist kann ich wohl nur erahnen. Ich gehe davon aus, dass Frauen generell ein größeres Problem mit ihrem Körper haben als Männer. Warum sonst lassen sich viele Frauen die Brüste vergrößern. Ein Mann würde sich wohl nie die Hoden vergrößern lassen, wenn das möglich wäre? ;-) Und einer Frau mit kleinen Brüsten, die ein Problem damit hat, zu sagen: „So und jetzt zieh Dich mal splitternackt aus!“ Das wird wohl nicht funktionieren.

Aber man kann den Frauen auch keinen Vorwurf machen. Schließlich geht es überall darum, schön auszuschauen, schlank zu sein und irgendwie dem Ideal zu entsprechen. Dieses Streben nach Perfektion ist ja mittlerweile auch schon beim Yoga angekommen und das finde ich nicht richtig.

Ich weiß von zwei Männern in Berlin, die Nackt-Yoga-Kurse anbieten, aber auch nur für Männer. Bislang kenne ich keine öffentlichen Nackt-Yoga-Kurse, wo auch Frauen dabei sind und das finde ich sehr schade.

Frage #6: Das heißt, Deine Nackt-Yoga-Kurse sind direkt bei dir zu Hause in Dortmund?

Antwort: Ja genau, ich habe extra einen Raum dafür, der nur auf Yoga ausgerichtet ist und da mache ich auch meine ganzen Videos.

Frage #7: Du bietest ja auch einen Nackt-Yoga Online-Kurs mit Videos, Fotos und Anleitungen an? Kannst Du uns mehr darüber erzählen? Was erwartet Deine Kunden genau in diesem Kurs?

Antwort: Ja genau. Es gibt im Kurs die verschiedensten Nackt-Yoga-Videos. Bei der Premiummitgliedschaft bekommen meine Kunden jeden Sonntag ein neues Nackt-Yoga-Video mit verschiedenen Übungen. Ich gehe im Kurs auch darauf ein, wie man mit Yoga anfängt, was Yoga mit dem eigenen Körper macht und wie man sich gesund ernährt. Ich unterrichte zudem ja auch ein ganz normales Yoga mit Klamotten. Hierzu betreibe ich die Webseite yogahilft.de.

Aber bei dem Nackt-Yoga Online-Kurs geht es nicht darum, sich die Videos jetzt 10-mal anzuschauen und dann kann man plötzlich Yoga. Yoga kann man nicht online lernen. Für Yoga braucht man Vertrauen und einen Lehrer. Man muss sich für einen Yoga Stil entscheiden, gerade am Anfang, und diesen dann eine Zeit lang praktizieren.

Beim Yoga trainiert man ja nicht nur auf der körperlichen Ebene, sondern auch auf geistiger, emotionaler und energetischer Ebene. Vertrauen ist ein sehr wichtiger Faktor. Deshalb sage ich ja den Leuten immer: „Wenn ihr Yoga macht oder Yoga lernen wollt und wirklich so richtig tief gehen wollt, dann muss euch der Yogalehrer sympathisch sein!“

Man ist beim Yoga vor allem mit den destruktiven Gefühlen konfrontiert. Es kommt alles auf der Yoga-Matte zum Vorschein und wenn man nackt ist, dann erst recht. Also Nackt-Yoga ist meiner Meinung nach überhaupt die höchste Stufe des Yoga. Daher wundere ich mich manchmal, dass mir Leute schreiben, die in ihrem ganzen Leben noch nicht einmal Yoga gemacht, aber direkt mit Nackt-Yoga starten wollen.

Es ist natürlich vor allem als Anfänger ein Unterscheid, ob Du Yoga mit Klamotten machst oder ohne. Nackt fangen schnell die Selbstzweifel an: „Ich bin total steif, ich bin ungelenkig und andere sehen meinen dicken Bauch.“ Dann sag‘ ich immer: „Okay, entweder Du bist jetzt schon so weit und wenn nicht, dann starte erstmal mit Klamotten!“

Frage #8: Wie viele Mitglieder hast Du aktuell in Deinem Online-Kurs?

Antwort: Ich weiß es nicht ganz genau, da müsste ich meinen Freund fragen, der kümmert sich um alles. Ich mache die Videos und er stellt alles online. Ich denke aber, es sind so zwischen 3.000 und 4.000 Mitglieder.

Frage #9: Betreibt ihr auch Online-Werbemaßnahmen, um den Kurs zu verkaufen?

Antwort: Was Nackt-Yoga anbelangt, mache ich jetzt nicht großartig Werbung. Ich versuche ab und zu auf Instagram etwas zu posten, aber dort ist es halt ziemlich schwierig, weil nicht zu viel zu sehen sein darf. Das ist schade, denn beim Nackt-Yoga geht es ja darum, zu sein, wie Gott Dich schuf und nicht so, wie Dich die Gesellschaft gerne sehen möchte. Dieser Satz steht ja auch bei mir auf der Seite.

Ich weiß natürlich auch, dass viele Kunden meines Nackt-Yoga-Kurses sich die Videos einfach nur anschauen, ohne irgendetwas mit Yoga am Hut zu haben. Das ist mir aber egal, dann gucken sie einfach nur, aber sie gehen wenigstens ein bisschen in die Thematik rein.

Ich bekomme manchmal auch E-Mails von Kunden, die mir zum Beispiel folgendes schreiben: „Elke, ich weiß ganz genau, dass Du es nicht auf die Erotik abgezielt hast, aber trotzdem schaue ich mir Deine Videos einfach am liebsten an!“ Mir ist total wichtig, dass ich wirklich so rüberkomme, als eine, die Yoga wirklich lebt und nicht als irgendwelches "Pornogirl", was ich ja überhaupt nicht bin.

Frage #10: Nehmen viele Mitglieder aus Deinem Videokurs Kontakt mit Dir auf und buchen Dich dann direkt?

Antwort: Ja schon. So habe ich zum Beispiel gerade einen Manager aus Texas, mit dem ich über Skype, Anti-Stress Yoga mache und merke, wie gut es ihm tut. Auf die Gesellschaft bezogen kann man sagen, dass Yoga wirklich nur eines möchte, nämlich den Körper wieder in Balance zu bringen und die Verspannungen und Blockaden, die im Alltag aufgebaut werden, zu lösen. Es möchte Dich einfach wieder in die Mitte rücken, wo Dich die Gesellschaft „entrückt“ hat.

Vielen Dank für das Interview liebe Elke!

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